Beiträge von Micha

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    Vielleicht wundern sich manche, warum man bei vielen Händlern den Werkstattbereich nicht betreten darf.
    Hier ist die Erklärung:


    [size=14]Das Wiegenlied vom Totschlag[/size]

    Wir zwicken noch eine Inspektion an einem Roller rein, so spricht der Chef.
    Eine Stunde später, das Ding steht auf der Hebebühne, frohgemut mache ich, was ich am besten kann und am liebsten tue, ich schraube.

    Die Besitzerin verirrt sich zu mir in die Werkstatt, das Schild, das den Zutritt verbietet, geflissentlich übersehend. Ihr Gefährt ist seit 20 Minuten in meiner Obhut, den Helm hat die Dame noch nicht abgesetzt, das wird sie auch in den kommenden eineinhalb Stunden nicht tun und sieht also aus, als wäre ihr Papa Calimero und die Mama ein Minion gewesen.


    Sie: „Inn de Schlos von de Tobkäs stekt dä halb Schlüsl, mid dä anner Hälf sperr i jedz aaf un dsu.“

    Ich: „Mmmpf.“

    Sie: „Na vierzää Dag scho is dä abbroche.“““

    Ich: „Fragen Sie den Chef, ob es den Schließzylinder als Ersatzteil gibt, dann ist das kein Problem.“

    Sie: „Was wää dä kosse?“

    Ich: „Fragen Sie den Chef, ob es den einzeln gibt. Der sagt Ihnen dann auch den Preis.“

    Sie: „Na zwe Woche scho is dä abbroche!“

    „Sehen Sie in der Police Ihrer Blödheitsversicherung nach, obb dä Schlüssäschädä zahlä“, denk ich mir. „Zwei Wochen ist zu kurz, die dürfen erst 18 Monate, nachdem man sie mit Gewalt verdrillt hat, brechen...“

    Ein XXL-Minion betritt den Raum. Der Partner meiner Besucherin. Oder ihr Bruder.
    Möglicherweise beides.

    Sie: „Ä ha dä Maa gsagd, das dä halb Schlüsl in dä Tobkäs stekt un das ä mid dä anner Hälf jedz aaf- un dsuspärre mus! Weil dä a Hälf ja drinne is un dä anner Hälf...“

    Er: „Sän dä Raffa noh gudd?“

    Ich: „Der vordere ist sehr gut, der hintere geht noch etwas.“

    Sie: „Wä äs däs mid däne Winnaraffe?“

    Ich: „Es gibt keine generelle Winterreifenpflicht, aber wenn Eis und Schnee auftreten, dürfen Sie nur mit Reifen mit M&S Kennzeichnung fahren. Oder halt das Fahrzeug an solchen Tagen nicht nutzen.“
    Sie: „Was dääde dä Winnaraffe kosse?“

    Ich: „Fragen Sie meinen Chef, der sucht Ihnen die Preise raus. Ich schraube, alles was mit Teilen und Preisen zu tun hat, macht er.“

    Er: „Dä vodar is noh gudd!“

    Er: „Wä äs däs jedz mid dä.....“

    Ich: „Sie dürfen vorne Sommer- und hinten Winterreifen fahren. Aber das Fahrzeug dann halt ggfs. nicht nutzen.“

    Sie: „Ä fahr aba immer an däne Dag.“

    Er: „Dä vodar is noh gudd!“

    Sie: „Was dääde dä Winnaraffe...“

    Ich: „Mein Chef kann Ihnen den Preis inklusive Montage raussuchen.“

    Sie: „Ä fahr imma.“

    Er: „Um dä vodar äs schad!“

    Er: „Was wää däs kossa wemma....“

    Ich: „Die Reifen zweimal im Jahr von Sommer auf Winter umzumontieren ist teurer als die Reifen und völlig unrentabel.“

    Er: „Um de vodar äs abba schad! Dä issa noh gudd!“

    Ich: „Verticken Sie den doch auf Äbäh.“

    Mein Chef betritt den Raum.
    Beide stellen ihm alle bereits gestellten Fragen gleichzeitig und durcheinander. Nicht ohne „Na zwe Woche scho...“.

    Mein Chef schafft es nur, eineinhalb Minions auf einmal zu bändigen. Das übrige Halbe fragt deshalb auch mir noch längst gestanzte Löcher in den Bauch.

    Mittlerweile renne ich plan- und fruchtlos im Dreieck Werkzeuggkasten, Fahrzeug und Inspektionsplan hin und her, nicht mehr in der Lage, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Tilt!

    Ohne es zu wollen kommt mein Vorschlag eruptiv und 8 dB(A) zu laut: „Was haltet ihr Strategen davon, eure Unterhaltung vor der Tür fortzusetzen? Kein Mensch kann arbeiten, wenn drei Leute auf ihn einquatschen!“

    Noch im selben Moment realisiere ich, dass ich mich im Ton vergriffen habe.
    Der richtige Ton wäre das Montiereisen gewesen.

    Jetzt ist mir auch klar, warum die den Helm nie absetzt.

    In der folgenden Stunde mache ich die Inspektion zu Ende, alldieweil das Ehepaar Calimero-Minion ununterbrochen auf meinen Märtyrerchef einredet, die Regel bestätigend, dass Handwerker bei Doppelnamen stets in Angstschweiß ausbrechen sollten. Möglicherweise haben die beiden auf dem Rücken Öffnungen, um sie mit einem Schlüssel aufziehen zu können.
    Vor meinem geistigen Auge sehe ich die Batterie-Werbung aus den 80ern, den unermüdlichen Plüschaffen mit den Becken.

    Hier muss ich einfügen, dass ich bekennender Rassist bin. Nicht Hautfarbe, Ethnie oder Religion bewerte ich. Mein Rassismus ist nicht willkürlich und nicht steuerbar, die Zehennägel sind das Kriterium.

    Rollt mir ein Dialekt diese auf, übernehmen zu meiner Schande die empfindlichen und reizbaren Nagelbetten die Herrschaft. Es ist dä Däaläggd.

    Was sonst, ich weiß ja nicht mal, wo die Minions mit den siamesischen Augen herkommen, es könnten Hessen, Pfälzer oder irgendwelche randtschechische Beutebayern aus Franken sein, die Herzog Tassilo mal beim Scrabble gewonnen hat. Möglicherweise sind es Langobarden. Übriggebliebene Chatten oder Cherusker können sie nicht sein, sonst hießen die Schadde und Schärusse. Der bayrische Erbfolgekrieg ist über die Frage ausgebrochen, wer die Wärter für das Dorf voller Ä bezahlen muss.

    So steht also das frisch inspektionierte Gefährt längst probegäfahren vor der Werkstatt, als im Laden mein Chef immer noch unermüdlich Fragen beantwortet.

    Eine Viertelstunde nach Ladenschluss bin ich mit Aufräumen fertig, will die Werkstatt verlassen. Ich habe die Rechnung ohnä dä Fämäliä Umlaut gemacht.
    Dem Chef ist es gelungen, die zwei ?? aus den Laden zu bugsieren und weil er auf der abendlichen Zusperrunde ist, sind die beiden zwei Minuten ohne Ansprächpartner und völlig vereinsamt.

    Ahnungslos tappe ich in die Falle.

    Ich: „Wiedersehen und danke!“

    Sie: „Wär misse no dä Abdeggung do bställä.“

    Ich spreche nicht. Ich heule wie ein Coyote mit zwei Gripzangen an den Klöten:
    „Ich Me-cha-ni-ker! Bei! mei! nem! Chef! Bitte!“

    Er: „Ä glaab, dä Maa haa scho Feiäabnd.“

    Sie haben Ihren Hinterhalt am richtigen Platz aufgebaut. Um die Waschhalle zuzusperren, muss der Chef an uns vorbei.

    Sie: „Wa wää dä Abdeggung kosse?“

    “Wällä Debb hä zää Minuddä vorrer noh zugsää, wä dä Schäff dä Ädävau awägfaa haa?“ denke ich mir, entsetzt feststellend, dass ich mich per Tröpfcheninfektion bereits an Umlautsprech angesteckt habe. Ich denke jetzt so, wie die reden.

    Die beiden verwickeln uns sofort in ein längeres Gespräch, um zu erfahren, was dä Aabau vo därä Abdeggung kosse wää.

    Ich: „Das ist nicht billig, weil dafür alle Verkleidungsteile bis hier vorne weg müssen.“

    Er: „Däs aa?“

    Ich: „Ja. Alle bis hier vorne.“

    Er: „Also däs aa?“

    Ich: „JA!“

    Er: „Un däs?“

    Wieder dieses Schraubstockgefühl im Schritt.

    Sie: „Was wää dä Einbau von därä Abdeggung kosse?“

    Er: „Däs is vääl Arbad, was wää des kosse?“

    Chef: „Kleben Sie schwarzes Isolierband drüber!“

    „Säh deia! Dänn dä Einbau vo därä Abdeggung daert zwe Woche, un dänn is nu dä Hälf drinne un dä anner Hälf....“ will ich sagen, der Burn-out kommt mir zuvor und lässt mich verstummen.

    Ich geh zu meinem Äuto, ääh, Auto und überlasse meinen Chef seinem Schicksal.


    Eines muss ich noch anmerken:
    Das ist nur ein müder Abklatsch der Realität.
    Ich konnte in einer Boxengasse mit drei Dutzend warmlaufenden Rennmotoren arbeiten. Neben den beiden nicht, ich war zu simpelsten Dingen nicht mehr fähig und völlig konfus.

    (aus dem Honda-Board von meinem Lieblingsmechaniker mart!n)


    Hallo Uli,

    nur mal nebenbei: fast immer, wenn Du etwas schreibst, lerne ich wieder etwas dazu. Danke dafür, das Wissen kann ich gut brauchen! :idea:

    Ich fahre auch gerne zum TÜV, und ich bin aus verschiedenen Gründen sehr oft dort ("TÜV" = Prüforganisation. Bei mir TÜV, DEKRA und GTÜ). Was Kutter da schreibt, kann ich absolut bestätigen und auch die "Vertrauensbasis". Und das heißt nicht, dass Fehler ignoriert werden. Das kann aber schon mal sein, dass ein Fehler genannt und darauf vertraut wird, dass ich das gleich behebe. Dieses Vertrauen ist Ansporn genug, das in keinem Fall auszunutzen. Aber wenn Du mehrmals im Monat da bist und immer gut gewartete Fahrzeuge vorführst, merkt der Prüfer, dass Dir auch selbst wichtig ist, mängelfreie Fahrzeuge zu bewegen und auszuliefern.

    Kutter, warum nimmst Du Speichen UND Häringe mit? Kannst Du das Zelt nicht mit Speichen abspannen? :lol:

    Wenn die 300er mal 10.000 km runter hat, ist sie soweit eingefahren, dass man die Leistung wirklich beurteilen kann. Das kann man nicht mit dem Ende der Einfahrzeit laut Bedienungsanleitung gleichsetzen. Und dann fährt einer von euch beide Maschinen unter den gleichen Bedingungen und der andere misst. Wenn zwei komplett andere Menschen (Größe, Gewicht, Haltung, Kleidung...) nebeneinander her fahren und das eine Motorrad noch nicht komplett eingelaufen ist, können solche Vergleiche nur schief gehen. Erst Recht, wenn das eine eine "L" und das andere eine deutlich schwerere "Rally" ist.

    Drei Sekunden soll die 300er schneller auf 100 sein? Wow. Das wäre ja mal richtig fix. Mich würde das überraschen bei der minimal höheren Leistung.

    Tipp am Rande: obwohl digital, gehört der Tacho der CRF250L zu den ungenauesten Schätzeisen, seit ich Mofa fahre. Im oberen Bereich schlägt er satte 10 km/h drauf, bei angezeigten 100 misst das GPS nur 90 km/h. Also ist mir egal, was sie "nach Tacho" rennt, solange der sich seine Fake News aus den Reifen saugt...gut, dass Du per GPS gemessen hast.

    Wenn eine Speiche verbogen ist, lass sie tauschen und den Rundlauf kontrollieren. Eine verbogene Speiche ziehst Du mit 3,7 Nm jedenfalls nicht wieder gerade ;)
    Man kann die Speichen mit einem Schlüssel anschlagen und hört am Geräusch, ob eine lose ist.
    Was Du da gefunden hast, bezieht sich auf das Neueinspeichen eines Rades, bei dem logischerweise alle Speichen anzuziehen sind und nicht nur diejenigen, die lose sind.

    Das serienmäßige Mittel ist auch schon silikatfrei, Du kannst mit C12+ oder höher nachfüllen. Braun wird da nichts, das wäre nur beim Mischen von altem G12 mit noch älterem G11.
    Aber wenn nur wenig fehlt, kannst Du auch Wasser nehmen. Du wechselst ja eh bald.

    Darum der Hinweis auf die "C"-Bezeichnungen. Ich kaufe Kühlmittel über die Autozubehörschiene, da ist das z.B. bei Alpine, Ravenol, Car1 oder Mannol im Programm. C12+ soll laut Angaben der Hersteller silikatfrei und uneingeschränkt mischbar sein, weißt Du da mehr?


    Moin Rainer,

    die Lüneburger Heide liegt ja quasi vor meiner Haustür und soll viele schöne Wege haben.

    Wenn Du da was ohne Asphalt kennst, dann immer gerne melden (bin aber noch bis Anfang September unterwegs 😉).

    Da wäre ich auch dabei; ich wohne ja inzwischen in Celle.

    An meiner Yamaha hab ich mal die ganze Kühlflüssigkeit wechseln müssen, da ich gemischt hatte. Sicher ist sicher. Kostet ja nicht die Welt.
    Karklausi

    Und genau das ist der beste Weg. Man muss allerdings wissen, dass reinweg das Lösen der Ablassschraube nicht alles Mittel abfließen lässt. Je nach Motorrad bleibt der ganze Ausgleichsbehälter voll und dazu kommen Reste in der Wasserpumpe usw. Wenn ich ganz sicher gehen will, sauge leer und puste Druckluft durch das System. Für die Neubefüllung Konzentrat kaufen und mit 50% Wasser mischen spart viel Geld gegenüber der "Fertigmischung".

    Die halb so schöne Lösung ist, beim Nachfüllen Mittel nach mindestens C12+ Standard zu nehmen, das mit alten und neuen Mitteln mischbar ist. Mindestens heißt, dass das auf C12++ und C13 auch zutrifft. Diese Mittel sind meist barbierosa.

    Was passiert, wenn man C11 und C12 mischt, sieht man an der Farbe. Die miteinander unverträglichen Mittel bilden eine trübe braune Soße, die wie eine Mischung aus Antilopentränke und Pernod-Cola aussieht. Das ist korrosiv und muss unbedingt raus. Herstellertabellen helfen nur weiter, wenn es um die Werksbefüllung geht. Das Vierthandmotorrad wird nach zehn Jahren nicht mehr das originale Mittel drinhaben (hoffentlich). Also muss beim Nachfüllen etwas verwendet werden, was mit allen Flüssigkeiten klar kommt.

    Übrigens sollte man normalerweise erst gar nicht in die Verlegenheit kommen, nachfüllen zu müssen, da der Pegel eigentlich konstant bleibt.

    Mein "Originaler" hat etwa 10.000 km geschafft und wurde durch einen zweiten Satz Originaler ersetzt (hatte 2017 jemand von seiner neuen CRF250L demontiert und mir verkauft. Damit war ich gerade wieder im Sauerland unterwegs. Im Bereich der Strecke zum Rhein-Weser-Turm hoch fährst Du den Vorderreifen da bis zur Kante runter :lol:


    Gelände sieht die Kleine allerdings nicht oder nur in homöopathischen Dosen.


    Servus Micha,

    sehr schönes Bild! Die Uhrzeit des Uploads ... :o , offensichtlich hab nicht nur ich Schlafstörungen :lol: .

    Meine Schlafstörung wurde bereits 1990 als noctis officium diagnostiziert und wird wohl erst mit dem 65. Lebensjahr abklingen :lol: Das Bild entstand übrigens direkt am Flughafen vor Dienstbeginn.

    Das mit dem Gepäckträger kommt mir von der 250er bekannt vor. Die Chinesenkinder können halt in dem Alter noch keine Rohre biegen. Wie schrieb mal ein Anbieter auf Alibaba: "Erlauben Sie +/- 1 cm Toleranz!"

    Da ich intolerant war, habe ich das schief zusammen gebratene Teil entsorgt und einen Träger von SW Motech gekauft. Der passte perfekt, hat auch Griffe und ist nicht so spackelig. Sitzt nun schon auf meiner dritten CRF.

    Ich mag keine Sachen, die mir die Innengewinde am Rahmen vermurksen. Entweder es passt oder nicht, da würge ich nicht rum.